Ein Tag an der Sonne

Ein Tag im Café, blinzelnd der Sonne entgegen sitzend, dabei einen dicken Wälzer lesend. Genau das habe ich mir vorgestellt, nichts anderes. Da sitze ich nun im Café und lasse die Wespen um meinen Kopf schwirren und stelle fest, das viel mehr Gäste da sind als exakt vor einer Woche, als ich zufällig um die gleiche Zeit hier saß, zwar an einem anderen Tisch, aber doch hier. Wir haben den Mann mit dem Bart, der an seinem Notebook sitzt und nicht so recht arbeitend wirkt, aber dennoch auf seinen Bildschirm starrt. Viele Kleinkinder stören die vermeintliche Ruhe, eines von Ihnen scheint auf den Armen seiner etwas verstreut wirkenden Mutter wie Superman zu fliegen. Wieder ein anderer schon ins grau verfallende Mann bestellt an diesem Nachmittag sein großes Dunkles und dazu einen Rohkostteller. Es ist eine Vielfältigkeit, wie ich sie mir nicht schöner vorstellen könnte. Dieses sitzen und lesen, zwischenzeitlich aufblicken und immer wieder neue Gäste zu entdecken und dabei Fetzen der interessantesten und doch unwichtigsten Gespräche zu lauschen. “Rykestraße 53. 20 Uhr. Ich bin dann da. Ok, ich bin dann auch da.” Dahinter könnte so vieles stecken. Eine Verabredung sich nach langer Zeit wiedergetroffener Freunde oder eine heimliche und unscheinbare Verabredung zweier fremd gehender Personen oder ein Pärchen das sich zufällig traf. Dazwischen ein älterer Mann mit roten Slippern, einem blau-gestreiften Hemd und den eindeutigen Anzeichen eines Alkoholproblems im Gesicht in Form einer roten Knollnase. Ein Besuch in einem Café im Kiez hat schon etwas befreiendes, man ist so sehr damit beschäftig zu beobachten und aufzunehmen, das man gegebenenfalls eigene Probleme vollkommen verdrängt.


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